Eine Wohnung ohne Flur - unser selbstgebauter Raumtrenner
Tür auf, freier Blick in die ganze Wohnung. Dem Blick folgte zwar ein begeistertes „Wow", weil er unweigerlich auf 3,70 Meter hohe Stuckdecken fiel. Und dennoch - allein der Gedanke, man könnte schon vom Parkplatz aus auf die kuschelige Couchecke schauen, löste in mir alles andere als ein sicheres, wohliges Gefühl aus. Und genau das habe ich dringend gebraucht. Also war von der ersten Sekunde an klar: Hier muss etwas dazwischen, wenn wir uns im Wohnzimmer jemals wohl und geschützt fühlen wollen.
Sofort hatte ich eine Vision: eine Lamellenwand aus Holz, die gerade genug abschirmt, damit der Sofabereich etwas geschützt ist. Aber sie sollte trotzdem offen und luftig genug sein, um den Eingangsbereich nicht dunkler zu machen. Außerdem brauchten wir hier auch Kleiderhaken und Stauraum für Schuhe.
Wir brauchten also etwas, das trennt, ohne zu trennen.
Unser Fake-Flur wurde geboren
Wir wohnen im Erdgeschoss und vom Parkplatz aus sind es gerade mal ein paar Schritte bis zu unserer Eingangstür. Geht diese auf, und gibt es keinen Raumtrenner, fühlt man sich, als würde man seine Couch direkt auf der Straße haben. Also haben wir uns einen gebaut.
Bis heute nennen wir unser Meisterstück liebevoll „Fake-Flur“ - und er hat seinen Namen mehr als verdient. Der komplette Bereich ist jetzt ein kleiner Raum im Raum, der unser Wohnzimmer nicht nur vor fremden Blicken schützt, sondern auch Stauraum für Schuhe, Taschen, Schlüssel, Hundeleinen, Leckerlis und sogar Altpapier bietet. Und: Mein Crosstrainer, den ich ja auch nicht unbedingt mitten im Wohnzimmer haben wollte, steht einfach dahinter. Besser geht's nicht.
Und so fing alles an:
Erfolgserlebnis Anfang November 2025…
Raumtrenner aus Ikea Billy Regalen
Als wir hier eingezogen sind, zählte jeder Cent. Also überlegte ich mir eine Konstruktion aus Billy Regalen von Ikea, die früher mal in meinem Homeoffice waren. Diese stellten wir in eine L-Form, so dass genügend Raum beim Betreten der Wohnung blieb, und trotzdem nicht zu viel Fläche vom Wohnzimmer verloren ging. Und diese Billy Regale wurden zum Grundgerüst für unseren Fake-Flur.
Im Baumarkt besorgten wir unbehandelte Holzplatten und günstige, 35 mm breite Latten. Mein Mann sägte alle Holzteile zu, ich beizte sie im warmen Eicheton, passend zum Boden. Das ist der Trick, der so viel ausmacht: Wenn das Holz den Bodenton aufnimmt, wirkt der Trenner nicht wie ein Fremdkörper im Raum, sondern wie etwas, das schon immer dazugehört hat.
Stauraum von beiden Seiten
Wir haben die Regale mit den Platten verkleidet, oben eine durchgehende Fläche aus Holz gelegt und einzelne Latten zu einer Lamellenwand verbunden. Auf der Rückseite zum Wohnzimmer hin stellten wir zwei weitere Billy Regale dagegen. Auf der linken Seite sieht die Rückseite anders aus: Hier kam eine dicke Holzplatte zum Einsatz, die wir noch im früheren Lager hatten. Darauf haben wir Ikea Schuhschränke gehängt, die früher in der Garderobe unseres Hauses waren. Um auf die nötige Tiefe für die Schuhschränke zu kommen, haben wir die Deckplatte an der Außenecke einfach etwas überstehen lassen - das stört uns aber nicht weiter.
Die hohe Decke hat es uns nicht einfach gemacht. Hätten wir eine normale Deckenhöhe, hätten wir die Lamellen bis zur Decke gezogen. Bei knapp 3,70 Metern war das keine Option und der schöne Stuck kam uns auch in die Quere. Also legten wir eine etwas schmalere Holzlatte oben als Abschluss auf und verschraubten sie mit den senkrechten Latten. Links hinter der Eingangstür haben wir den oberen Abschluss zusätzlich mit Winkeln an der Wand befestigt - die Konstruktion ist nun bombenfest.
Licht in der dunkelsten Ecke
An dieser Wand haben wir keine Fenster, es ist die dunkelste Ecke im Wohnzimmer. Also habe ich eine dezente Lichterkette um den oberen Abschluss gewickelt und eine Tischlampe auf die Ablage Richtung Wohnzimmer gestellt. Das Kabel dazu haben wir von einer Steckdose in der Nähe gezogen und geschickt hinter der Holzverkleidung versteckt. Die Lichterkette mit dem feinen Kupferdraht passt so gut zum Holz, dass sie im ausgeschalteten Zustand kaum sichtbar ist.
Das i-Tüpfelchen sind die kleinen schwarzen Griffe, die wir an den Billy Türen angebracht haben. Sie sind so schön zierlich, dass ich sofort die Idee hatte, ein paar weitere auch als Kleiderhaken einzusetzen. Nun sind sie auf den Lamellen in unterschiedlichen Höhen verteilt - und bieten Platz für Gästejacken.
Jetzt bricht unsere Lamellenwand den Blick zum Wohnzimmer, lässt aber Licht durch. Aus einem „Hilfe, wir haben keinen Flur“-Problem wurde eine Lösung, die gleich dreifach arbeitet: Sie trennt, verstaut und empfängt. Jetzt schaut man beim Betreten der Wohnung nicht mehr durch das ganze Wohnzimmer, sondern auf das warme Holz, das Grün der Pflanzen und gemütliches Licht. Und witzigerweise wirkt die Wohnung jetzt noch größer, wenn man die Tür öffnet - weil man den kompletten Raum hinter dem Trenner gar nicht mehr auf den ersten Blick erfassen kann, schummelt unser Auge eine großzügigere Fläche dazu.
Schuhe und Taschen landen in den Billy Regalen gleich neben der Tür. Jacken kommen mal an die Kleiderhaken an der Lamellenwand, mal an die Standgarderobe in der Ecke dahinter. Und die Hänge-Schuhschränke auf der Rückseite? Da sind keine Schuhe drin, sondern Altpapier, Altglas und alles, was wir seltener brauchen.
Vom Sofa aus verschwinden Eingangstür und Sprechanlage hinter Holz und Grün. Dazu gibt es gemütliches Licht der Lichterkette und der Tischlampe, und den Platz in beiden Billy Regalen zur Wohnzimmerseite habe ich für meinen Kerzenvorrat reserviert.
3-fach Lösung mit Mini-Budget
Nichts an unserem Fake-Flur war teuer. Billy Regale, Schuhschränke und die Beleuchtung hatten wir schon, Holzplatten, Latten und die Beize haben wir im Baumarkt besorgt. Aber er hat unserer Wohnung etwas gegeben, das ihr von Anfang an gefehlt hat: eine Schwelle. Einen kurzen Moment zwischen Treppenhaus und Zuhause.
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