Unsere selbstgemachte Hängelampe über der Kücheninsel

Bei der Besichtigung der Wohnung waren wir erleichtert: alles da. Küche drin, in allen Räumen schon Einbau-Lampen, es fehlten nur Gardinenstangen mit Vorhängen und eine Hängelampe in der Küche. Denn da, wo sie hängen sollte, hing eine traurige alte Glühbirne. Nackt und vergessen.

Wir waren uns einig: Das ist schnell gemacht. War es nicht.

In einer anderen Wohnung hätten wir vermutlich eine ganze Küche schneller eingebaut. Das Problem war nicht die Lampe. Na gut, schon ein bisschen. Das größere Problem war die Höhe. Und ein anderes Problem war die Farbe der Küche: Ich rätsle heute noch, welches Holz das ist - irgendetwas zwischen Esche und Nussbaum. Aber keins von beidem. Jedenfalls nicht Eiche, wie der Fußboden. Also welche Lampe? In welcher Farbe, weil sie sowohl zur Küche, als auch zum Boden und Esstisch passen muss? Und wie bekommen wir sie bei 3,70 Meter Deckenhöhe aufgehängt, damit das Licht auch unten auf der Arbeitsfläche ankommt und nicht irgendwo im Nirgendwo über unsere Köpfe schwebt? Ach ja, und nebenbei sollte sie natürlich auch gut aussehen und nicht blenden.

Dazu ist die Kücheninsel recht wuchtig, mit ihren eher dunkleren Tönen und der hohen Theke. Eine kleine, zierliche Lampe wäre völlig fehl am Platz gewesen. Dennoch sollte sie filigran genug sein, um nicht vom schönen Stuck abzulenken.

Sagte ich schon? Woanders hätten wir vermutlich eine ganze Küche schneller eingebaut…

Unsere Vision stand trotzdem schnell: eine Stange oder ein Ast, quer über die Insel, mit einzelnen Lampenfassungen drumgewickelt. Offen und leicht. Nichts, was den schönen Stuck erschlägt. Aber wir haben nichts gefunden.

Wochenlang Augen auf beim Gassigehen

Bei jedem Wald-Spaziergang wurde die Umgebung nach dem passenden Ast „gescannt“. Zu krumm. Zu dünn. Zu dick. Zu morsch. Zu kurz. Der eine hätte gepasst, aber er hing noch am Baum.

Dabei war mein Mann noch strenger als ich. Und als ich schon befürchtet hatte, mit der Taschenlampe kochen zu müssen bis er seinen Ast findet, stolperten wir einfach im Baumarkt über die perfekte Lösung - für 16,95 Euro. Fast gerade (aber komplett gerade war auch nicht der Plan), hell, schön glatt und trotzdem natürlich, in genau der Länge, die diese Insel braucht. Nach Wochen Waldsuche war er einfach da, der perfekte Ast, zwischen Holzlatten und Rundstäben. Jetzt fehlten nur noch die Fassungen.

Die Idee, die Fräse und die Fassungen von Jysk

Das Farb-Problem hatten wir immer noch. Wie sollen die Lampenfassungen aussehen? Weiß? Schwarz? Holz - und wenn ja, welcher Ton?

Bei Jysk wurden wir fündig, für sehr kleines Geld. Helles Holz, schlichte Form, schwarzes Textilkabel. Vor meinem geistigen Auge hingen sie schon am Ast über die Insel, als ich noch im Laden stand. Ich wusste es - es wird genauso, wie wir es uns vorgestellt haben.

Weil ein Ast mit Kabelsalat nach Baustelle aussieht, fräste mein Mann auf der Oberseite des Astes eine Rille, in der die Elektrik verschwand. Den Ast haben wir zwischen zwei Stuhllehnen gelegt und die Fassungen in zwei verschiedenen Höhen drum gewickelt, jeweils abwechselnd. Fünf Punkte auf einer Linie waren mir zu ordentlich. Fünf Punkte auf verschiedenen Höhen sind lebendig.

Aufgehängt haben wir das Ganze an sehr festem, schwarzem Angelfaden direkt an der Decke. Die Höhe konnten wir dabei genau so tief wählen, wie wir sie brauchten.

Aus Stabilitätsgründen konnte die Elektrik-Rille nicht ganz so tief sein, wie sie hätte sein sollen. Außerdem schauen wir aufgrund der Raumgröße aus großer Entfernung seitlich auf die Lampe und nicht nur von unten. Also habe ich die noch sichtbare Elektrik anschließend unter künstlichem Eukalyptus versteckt. Die Zweige habe ich einfach unter das Kabel der Fassungen geschoben - so waren keine Kabelbinder nötig. Das Grün kaschiert den Rest der Technik und bringt gleichzeitig etwas Weiches an die Decke. Außerdem bringt es zusätzlich etwas Pflanzengrün in die Küche und passt so gut zu meiner geliebten Monstera, die auf den Hochschränken steht und die große Lücke bis zur Decke füllt.

Und das Licht?

Die Leuchtmittel kamen ebenfalls aus dem Baumarkt. Warmweiß, selbstverständlich. Große Glühbirnenform, weißes Glas, damit es nicht blendet.

Fünf davon über einer Insel: Das ist mehr Licht, als ich gehofft hatte. Und zwar Arbeitslicht, weil sie tief hängen und direkt auf der Platte landen. Kein Lichtsalat von der Decke, der sich unterwegs verliert.

Ich habe damals eine Birne mehr mitgenommen. Sie steckt jetzt hinten im Wandregal in einem kleinen grauen Lampenfuß von Ikea. Dieselbe Birne, dasselbe Licht, eine Etage tiefer. Aus einem übrig gekauften Leuchtmittel wurde die passende Tischlampe dazu.

Ganz schön stolz auf unsere Lampe

Ein Ast für 16,95 Euro. Fünf Fassungen für je 7,95 Euro. Leuchtmittel für je 5,95 Euro. Etwas Angelfaden. Daraus wurde eine Lampe, die genau zu unserer Küche und diesem großen Raum passt.

Es fehlt nur eine Lampe - die am Ende länger gedauert hat als eine ganze Küche. Aber stolz sind wir trotzdem auf dieses Ding. Ziemlich sogar.

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